Viele iPad-Nutzer bemerken es erst, wenn das Gerät merklich langsamer reagiert: Die einst flüssige Bedienung stockt, Apps brauchen länger zum Öffnen, und selbst einfache Gesten wie das Wechseln zwischen Programmen fühlen sich zäh an. Die Ursache liegt häufig in einem weit verbreiteten Missverständnis darüber, wie iOS mit Apps im Hintergrund umgeht – und in der daraus resultierenden Angewohnheit, sämtliche geöffneten Programme für später bereit zu halten.
Der Mythos vom notwendigen App-Schließen
Apple hat iOS so konzipiert, dass das Betriebssystem den Arbeitsspeicher weitgehend selbstständig verwaltet. Apps, die sich im Hintergrund befinden, werden in einen Ruhezustand versetzt und verbrauchen kaum Ressourcen. Diese Funktionsweise ist durch die Architektur des Betriebssystems so vorgesehen und funktioniert in der Regel zuverlässig.
Während die Apps pausieren, wird der Arbeitsspeicher mit bestimmten Informationen belegt, damit die Programme bei Bedarf schnell wieder aktiviert werden können. Bei älteren iPad-Modellen oder bei intensiver Nutzung kann sich jedoch bemerkbar machen, dass viele gleichzeitig gehaltene Apps die verfügbaren Ressourcen beanspruchen. Die Schwelle, ab der sich die Leistung verschlechtert, hängt stark vom iPad-Modell ab. Ein iPad Pro mit großzügigem Arbeitsspeicher verkraftet deutlich mehr gleichzeitig geöffnete Anwendungen als ein Basis-iPad mit weniger RAM.
Wann zu viele offene Apps zum Problem werden
Es gibt typische Warnsignale, die auf eine Überlastung hindeuten: Apps müssen nach dem Wechsel komplett neu laden, statt dort fortzufahren, wo man aufgehört hat. Der Safari-Browser verliert geöffnete Tabs oder lädt Seiten bei jedem Wechsel neu. Animationen beim Multitasking-Wechsel ruckeln oder verzögern sich. Das iPad reagiert träge auf Touch-Eingaben, besonders nach längerem Betrieb. Bestimmte Apps stürzen unerwartet ab oder frieren ein.
Besonders tückisch wird es bei speicherhungrigen Anwendungen. Videobearbeitungs-Apps, Grafik-Programme wie Procreate oder Affinity Photo, aber auch Spiele mit aufwendiger 3D-Grafik belegen erhebliche RAM-Bereiche. Bleiben mehrere solcher Anwendungen gleichzeitig im Hintergrund geöffnet, steht anderen Programmen weniger Arbeitsspeicher zur Verfügung.
Der versteckte Leistungsfresser
Ein realistisches Szenario: Du bearbeitest Fotos in Lightroom, wechselst zu Safari für eine Recherche, checkst nebenbei E-Mails, schaust kurz in YouTube rein und springst dann zu einer Notiz-App. Alle diese Programme bleiben offen. Wenn du nun zu Lightroom zurückkehrst, muss iOS möglicherweise andere Apps aus dem RAM verdrängen. Beim nächsten Wechsel das gleiche Spiel – ein ständiges Hin und Her, das die Performance beeinträchtigen kann.
Die richtige Strategie für bessere Performance
Ein bewusster Umgang mit offenen Anwendungen kann durchaus sinnvoll sein. Der Schlüssel liegt im gezielten Schließen ressourcenintensiver Apps, die du aktuell nicht benötigst, während häufig genutzte Programme im Hintergrund bleiben dürfen. Bei iPads ohne Home-Button wischst du vom unteren Bildschirmrand nach oben und hältst kurz inne, um die App-Übersicht zu öffnen. Bei Modellen mit Home-Button funktioniert ein doppelter Druck auf die Home-Taste. In der Übersicht wischst du die Vorschau der App nach oben, um sie vollständig zu beenden.
Nicht jede App sollte jedoch geschlossen werden. Programme, die du häufig nutzt, können beim Neustart tatsächlich mehr Energie und Ressourcen verbrauchen als im Standby-Modus. Die Kunst besteht darin, die Balance zu finden.

Welche Apps du schließen solltest
Konzentriere dich auf folgende Kandidaten: Große Spiele belegen oft erhebliche RAM-Bereiche und bieten selten einen Vorteil durch schnelles Fortsetzen. Streaming-Apps wie Netflix oder YouTube kannst du bedenkenlos schließen, wenn du fertig bist. Nach dem Speichern deiner Arbeit in Videoschnittprogrammen oder Bildbearbeitungs-Apps solltest du diese beenden. Navigations-Apps wie Google Maps oder Apple Karten kannst du nach der Nutzung schließen. Apps mit Fehlverhalten, die einfrieren oder merkwürdig reagieren, profitieren von einem Neustart.
Langfristige Strategien für ein schnelleres iPad
Neben dem gezielten Schließen von Apps gibt es weitere Maßnahmen, die die Gesamtperformance verbessern. Ein regelmäßiger Neustart des iPads räumt den Arbeitsspeicher gründlich auf und behebt temporäre Softwareprobleme. Einmal wöchentlich sollte dafür ausreichen. Überprüfe außerdem deine installierten Apps: Programme, die du seit Monaten nicht genutzt hast, belegen wertvollen Speicherplatz und starten möglicherweise Hintergrundprozesse. Eine konsequente Ausmist-Aktion kann die Performance merklich verbessern.
Hintergrundaktualisierungen intelligent nutzen
In den Einstellungen unter Allgemein und Hintergrundaktualisierung kannst du festlegen, welche Apps im Hintergrund Daten aktualisieren dürfen. Diese Funktion ist praktisch für Nachrichten-Apps oder Social Media, belastet aber Arbeitsspeicher und Akku. Deaktiviere sie für Apps, bei denen du keine Echtzeit-Updates benötigst. Apple optimiert mit jedem Update das Speichermanagement. Nach größeren Updates können vorübergehend Hintergrundprozesse wie Indexierungen laufen, die vorübergehend mehr Ressourcen beanspruchen. Diese systemischen Aufgaben normalisieren sich jedoch nach einigen Tagen.
Wann das Schließen von Apps kontraproduktiv ist
Es gibt Situationen, in denen das ständige Beenden von Apps mehr schadet als nützt. Apps wie Mail, Kalender oder Notizen verbrauchen im Hintergrund kaum Ressourcen und starten langsamer neu, als wenn sie im Standby bleiben. Auch Browser-Tabs in Safari werden von iOS intelligent verwaltet – erst bei Speichermangel werden ältere Tabs aus dem RAM entfernt.
Das zwanghafte Schließen aller Apps nach jeder Nutzung kann zu längeren Wartezeiten führen, da jeder Neustart eines Programms Rechenleistung erfordert. Das Betriebssystem ist durchaus in der Lage, mit zahlreichen pausierten Apps umzugehen – solange diese nicht zu den besonders ressourcenintensiven Programmen gehören.
Dein iPad als Hochleistungsgerät nutzen
Die Leistung deines iPads hängt von einem durchdachten Umgang mit offenen Anwendungen ab. Statt blindem App-Schließen nach jedem Wechsel solltest du ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Programme tatsächlich viele Ressourcen beanspruchen. Beobachte das Verhalten deines Geräts: Lädt Safari plötzlich alle Tabs neu? Starten große Apps auffällig langsam? Das sind Hinweise auf beanspruchten Arbeitsspeicher.
Mit ein wenig Aufmerksamkeit und gelegentlichem gezielten Aufräumen in der App-Übersicht holst du das Maximum aus deinem iPad heraus. Die Balance zwischen Bequemlichkeit und Performance macht den Unterschied zwischen einem trägen und einem reaktionsschnellen Tablet aus.
Inhaltsverzeichnis
