Während alle nach Angkor pilgern wartet dieses Februar-Juwel in Kambodscha mit menschenleeren Tempeln und unschlagbaren Preisen auf dich

Während die großen Tempelanlagen Angkor Wat von Menschenmassen bevölkert werden, liegt im Nordwesten Kambodschas ein archäologisches Juwel verborgen, das nur wenige Reisende auf ihrer Route haben: Banteay Chhmar. Wer im Februar als Alleinreisender dieses abgelegene Tempeldorf aufsucht, erlebt nicht nur die faszinierende Khmer-Architektur in ihrer ursprünglichsten Form, sondern taucht gleichzeitig in das authentische ländliche Leben Kambodschas ein. Der Februar ist ideal für einen Besuch – die Regenzeit ist vorüber, die Vegetation leuchtet in sattem Grün, und die Temperaturen bewegen sich in angenehmen Bereichen zwischen 25 und 30 Grad.

Ein vergessenes Meisterwerk der Khmer-Architektur

Die Tempelanlage von Banteay Chhmar stammt aus dem späten 12. Jahrhundert und wurde unter König Jayavarman VII. errichtet – demselben Herrscher, der auch Angkor Thom und Ta Prohm erbauen ließ. Was diese Stätte so besonders macht, ist ihre weitgehend unrestaurierte Authentizität. Gigantische Steinblöcke liegen dort, wo sie vor Jahrhunderten herabstürzten, Wurzeln umschlingen Reliefs, und die Natur hat sich das zurückerobert, was ihr einst genommen wurde. Diese romantische Verfallenheit verleiht dem Ort eine mystische Atmosphäre, die in den touristisch erschlossenen Anlagen längst verloren gegangen ist.

Die Hauptanlage erstreckt sich über eine Fläche von mehr als einem Quadratkilometer und wartet mit beeindruckenden Bas-Reliefs auf, die Schlachtszenen, religiöse Motive und den Alltag im alten Khmer-Reich darstellen. Besonders eindrucksvoll sind die acht Meter hohen Avalokiteshvara-Gesichter, die aus den Tempeltürmen hervorragen – ein Markenzeichen der Architektur unter Jayavarman VII. Als Alleinreisender hat man hier die seltene Gelegenheit, diese Kunstwerke in völliger Stille zu betrachten, oft ohne eine einzige weitere Person in Sichtweite.

Erkunden und Entdecken ohne Menschenmassen

Die Erkundung von Banteay Chhmar lässt sich wunderbar über mehrere Tage strecken. Neben der Hauptanlage gibt es neun weitere Satellitentempel in der Umgebung, die ebenfalls sehenswert sind und sich gut mit dem Fahrrad erreichen lassen. Besonders empfehlenswert ist Banteay Torp, etwa drei Kilometer südlich gelegen, wo sich weitere gut erhaltene Reliefs befinden.

Der Februar bietet perfekte Bedingungen für ausgedehnte Tempeltouren. Die Morgenstunden sind besonders magisch, wenn das goldene Licht durch die Baumkronen auf die verwitterten Steine fällt und die Temperatur noch angenehm kühl ist. Plant mindestens einen halben Tag für die Hauptanlage ein – nicht weil sie so groß wäre, sondern weil die Atmosphäre zum Verweilen einlädt. Bringt ausreichend Wasser mit, denn vor Ort gibt es nur begrenzte Verkaufsmöglichkeiten.

Abseits der Tempel lohnt sich ein Spaziergang durch das Dorf selbst. Die lokale Gemeinschaft hat ein beispielhaftes Community-Based-Tourism-Projekt entwickelt, bei dem Besucher am Alltag teilhaben können. Man kann traditionelle Seidenweberei beobachten, bei der Reisernte helfen oder einfach bei einem Kaffee mit den freundlichen Einheimischen ins Gespräch kommen. Diese ungezwungenen Begegnungen gehören zu den wertvollsten Erfahrungen für Alleinreisende, die mehr als nur Sehenswürdigkeiten abhaken möchten.

Kostengünstig unterwegs in Banteay Chhmar

Die Anreise von Siem Reap nach Banteay Chhmar ist bereits ein Abenteuer für sich. Die rund 160 Kilometer lassen sich am günstigsten mit lokalen Minibussen bewältigen, die etwa 10 bis 12 Euro kosten und vier bis fünf Stunden benötigen. Eine komfortablere Alternative ist die Buchung eines Sammeltransports über die lokalen Gästehäuser, die etwa 15 Euro verlangen. Wer flexibel sein möchte, mietet sich ein Motorrad in Siem Reap für circa 5 bis 7 Euro pro Tag – die Strecke führt durch malerische Landschaften und verschlafene Dörfer, erfordert aber gute Fahrkenntnisse und Orientierungsfähigkeit.

Vor Ort bewegt man sich am besten mit dem Fahrrad fort, das für etwa 2 bis 3 Euro pro Tag gemietet werden kann. Die flache Landschaft und die geringen Distanzen machen das Radfahren zur idealen Fortbewegungsart. Zudem kommt man so deutlich einfacher mit Einheimischen in Kontakt, als wenn man motorisiert unterwegs wäre.

Übernachten wie ein Einheimischer

Banteay Chhmar bietet eine Handvoll einfacher, aber sauberer Homestays, die von der lokalen Gemeinschaft betrieben werden. Für 8 bis 12 Euro pro Nacht erhält man ein Zimmer mit Ventilator, manchmal sogar mit Klimaanlage, und oft ist das Frühstück bereits im Preis enthalten. Diese Homestays sind nicht nur preiswert, sondern bieten auch die authentischste Übernachtungserfahrung. Die Gastfamilien sind ausgesprochen herzlich und geben gerne Einblicke in ihren Alltag.

Einige Unterkünfte verfügen über Gemeinschaftsbereiche, in denen abends zusammen gegessen wird – eine perfekte Gelegenheit für Alleinreisende, andere Besucher kennenzulernen. Die Zimmer sind in der Regel spartanisch eingerichtet, aber sauber und mit Moskitonetzen ausgestattet. Luxus sollte man hier nicht erwarten, aber genau das macht den Charme aus.

Kulinarische Entdeckungen mit kleinem Budget

Die gastronomische Szene in Banteay Chhmar ist überschaubar, aber authentisch. Es gibt mehrere kleine Lokale, die typisch kambodschanische Küche zu äußerst günstigen Preisen anbieten. Ein vollständiges Mittagessen mit gebratenem Reis oder Nudeln, Gemüse und Fleisch kostet selten mehr als 2 bis 3 Euro. Suppen wie die traditionelle Num Banh Chok – Reisnudeln mit Fisch-Curry-Sauce – sind für etwa 1,50 Euro erhältlich und besonders schmackhaft.

Für das ultimative Sparprogramm empfiehlt sich der Besuch des lokalen Marktes am Morgen. Hier lässt sich frisches Obst für ein paar Cent kaufen: Mangos, Drachenfrüchte und Bananen sind im Februar reichlich vorhanden. Wer in einem Homestay wohnt, kann oft gegen einen kleinen Aufpreis von 3 bis 5 Euro auch das Abendessen bei der Gastfamilie einnehmen – eine Erfahrung, die unbezahlbar ist und meist aus mehreren Gängen mit hausgemachten Spezialitäten besteht.

Besonders empfehlenswert ist das frisch zubereitete Street Food am Nachmittag, wenn mobile Verkäufer durch das Dorf ziehen. Gegrilltes Hühnchen auf Bambussstäben, süße Klebreiskuchen und gebratene Insekten – für die Mutigen – kosten jeweils zwischen 0,50 und 1,50 Euro.

Praktische Überlegungen für Alleinreisende

Banteay Chhmar ist definitiv ein Ziel für die abenteuerlustigen Alleinreisenden. Die touristische Infrastruktur ist minimal, was gleichzeitig Fluch und Segen ist. Es gibt nur wenige Geldautomaten – der nächste befindet sich etwa 30 Kilometer entfernt in Sisophon – weshalb ausreichend Bargeld mitgebracht werden sollte. US-Dollar werden überall akzeptiert, kleinere Beträge werden in Riel zurückgegeben.

Die medizinische Versorgung ist grundlegend vorhanden, aber für ernsthafte Fälle muss man nach Siem Reap zurückkehren. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke mit Durchfallmitteln, Schmerztabletten und Desinfektionsmittel ist daher unerlässlich. Das Leitungswasser sollte nicht getrunken werden – abgefülltes Wasser kostet etwa 0,30 Euro pro Flasche.

Der Eintritt zur Tempelanlage beträgt 5 Euro und ist damit deutlich günstiger als das Angkor-Pass-System. Das Geld fließt direkt in die lokale Gemeinschaft und wird für die Erhaltung der Tempel sowie für Bildungs- und Gesundheitsprojekte im Dorf verwendet.

Die Sicherheitslage ist gut, und Alleinreisende berichten durchweg von positiven Erfahrungen. Die Einheimischen sind hilfsbereit und respektvoll, und die geringe Anzahl an Touristen schafft eine entspannte Atmosphäre ohne aufdringliche Verkäufer oder überteuerte Touristenfallen.

Mehr als nur Tempel

Wer mehrere Tage in Banteay Chhmar verbringt, sollte auch die umliegende Natur erkunden. Die Gegend ist durchzogen von Bewässerungskanälen und Reisfeldern, die im Februar in unterschiedlichen Wachstumsstadien ein Mosaik aus Grüntönen bilden. Ein Sonnenuntergang über den Feldern, mit den Tempelruinen im Hintergrund, ist ein unvergesslicher Anblick.

Vogelbeobachter kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten. Die Region beherbergt zahlreiche Wasservögel, und in den frühen Morgenstunden kann man mit etwas Glück seltene Arten beobachten. Ein einfaches Fernglas genügt, um die gefiederten Bewohner zu entdecken.

Banteay Chhmar im Februar ist eine Einladung, Kambodscha fernab der ausgetretenen Pfade zu erleben. Als Alleinreisender findet man hier nicht nur beeindruckende historische Stätten, sondern auch die Ruhe und Authentizität, die in vielen bekannteren Reisezielen Südostasiens längst verloren gegangen ist. Mit einem Tagesbudget von 20 bis 30 Euro lässt sich komfortabel leben, und die Erinnerungen, die man von diesem besonderen Ort mitnimmt, sind unbezahlbar.

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